Arbeit und Umwelt gehören zusammen.

Meine Geschwister und ich sind mit meinen Großeltern und Eltern umgesiedelt worden. Damals war ich 8 Jahre alt. Für mich als Kind war es eher ein spannendes Abenteuer. Besonders für ältere Menschen war und ist der Verlust der Heimat nicht einfach und hinterlässt Spuren. Alt-Königshoven musste dem Tagebau Garzweiler weichen. Auch von unserem neu en Zuhause war der Tagebau anfangs nur wenige hundert Meter  entfernt. Jahrzehnte später steht auf der rekultivierten Königshovener Höhe inmitten von Feldern einer der größten Windparks in NRW, den die
Stadt Bedburg gemeinsam mit einem Energieversorgungsunternehmen aus unserer Region betreibt. Eine Erweiterung ist in Planung.

Wohlstand durch Braunkohle und erneuerbare Energien

Die Beschäftigten in den Tagebauen, Kraftwerken und der Zulieferindustrie arbeiten rund um die Uhr für eine verlässliche Versorgung mit Strom. Viele sprechen zu Recht mit Stolz von ihrer Arbeit. Wir alle sind auf eine sichere Energieversorgung angewiesen. Eine zuverlässige Versorgung mit Strom ist ein bedeutender Beitrag zum Wohlstand in unserer Region. Die Männer
und Frauen in den Tagebauen und Kraftwerken haben dafür unseren Dank und Respekt verdient. Das ist ihr Lebenswerk.
Viele Menschen leben gut von und mit der Kohle. In den Industriebetrieben werden gute Gehälter gezahlt. Eine neue Landesregierung muss alle Anstrengungen unternehmen, dass Arbeitsplätze mit guten Löhnen auch nach dem Kohleausstieg in unserer Region verbleiben und neue geschaffen werden. Wenn die Kohle geht, muss neue Arbeit kommen. Als Landtagsabgeordneter will ich daran arbeiten.

Unsere Region soll mit grünem Wasserstoff pulsierende Industrieregion bleiben

Nun sind wir aufgebrochen in eine neue Zeit, die Zeit der erneuerbaren Energien. Der große Windpark auf der Königshovener Höhe, den ich jedes Mal sehe, wenn ich zu meinen Eltern fahre, ist für mich ein Symbol dieser neuen Zeit. Er trägt zum Wohlstand der Bürgerinnen und Bürger in Bedburg bei. Weil die Stadt Miteigentümerin des Windparks ist, fließen Jahr für Jahr siebenstellige Beträge in den städtischen Haushalt. Für eine kleine Stadt, deren Finanzen sehr angespannt sind, keine Kleinigkeit. Besonders dann, wenn sie vor der Aufgabe steht, Schulen aus- oder neu zu
bauen und weitere Kitas geplant werden müssen, um dem Bedarf einer wachsenden Stadt gerecht zu werden. Der Windpark kann aber noch viel mehr: Ein Windrad wird mit Hilfe eines Energiespeichers ein Neubaugebiet, die so genannte Ressourcenschutzsiedlung, versorgen, die als „Reallabor der Energiewende“ vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird. Und der
Windpark steht für einen baldigen Aufbruch in eine Wasserstoffwirtschaft, mit deren Hilfe Industriearbeitsplätze in der Region gesichert werden können. Der Bedburger Bürgermeister Sascha Solbach plant gemeinsam mit Partnern aus der Privatwirtschaft mit Strom aus dem Windpark grünen Wasserstoff zu erzeugen. Der Wasserstoff soll konkret in der Aluminiumindustrie eingesetzt werden und dort zu einer klimaneutralen Produktion beitragen. So wird der Windpark hoffentlich in Kürze dafür sorgen, industrielle Arbeitsplätze und Wertschöpfung in unserer Region zu
erhalten. Soweit die Pläne.
Von der schwarz-gelben Landesregierung gab es dazu bisher nur wenig Hilfe. Ein passendes Förderprogramm für dieses wegweisende Projekt konnte von der Landesregierung nach über einem Jahr immer noch nicht ausgemacht werden. Wenn es darauf ankommt, scheitert es an der Bürokratie. Für mich ist völlig klar: Bei wegweisenden Konzepten, die  Arbeit und Umwelt zusammenführen und zum Klimaschutz beitragen, müssen die Förderprogramme den Bedingungen des Strukturwandels angepasst werden und nicht das Projekt den Richtlinien. Ich werde mich
bei einer neuen Landesregierung für weniger Bürokratie und schnellere Genehmigungen einsetzen, damit endlich neue Arbeit entsteht.

Arbeit und Umwelt sind kein Gegensatz

Schon als ich 1991 in die SPD eingetreten bin, hat mich die Frage beschäftigt, wie Arbeit und Umwelt miteinander in Einklang zu bringen sind. Lange ist es her, aber im Jahre 1990 ist die SPD mit dem Programm „Der neue Weg: ökologisch, sozial, wirtschaftlich, stark“ angetreten. Das hat mich fasziniert. Schon damals ging es der SPD um die ökologische Umgestaltung der Industriegesellschaft und zwar so, dass Industrie und deren Arbeitsplätze in Deutschland erhalten bleiben.
Heute ist es allerhöchste Eisenbahn diesen Weg zu gehen, besonders für unsere Region, das Rheinische Revier, den Rhein-Erft-Kreis. Der Kohleausstieg ist beschlossen. Jetzt muss es darum gehen, den Wandel zu einer klimaneutralen Wirtschaft erfolgreich zu gestalten und dabei neue gute Arbeitsplätze zu schaffen.
Damals wie heute sollten Arbeit und Umwelt zusammen gedacht und entsprechend gehandelt werden. Als Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung in unserer Stadt bekomme ich aber immer wieder mit, dass dies noch längst keine Selbstverständlichkeit ist. In politischen Diskussionen wird oft ein Konflikt zwischen Arbeit und Umwelt beschworen. Es wird gerne polarisiert. Stattdessen bin ich dafür, sich die Mühe zu machen, die unterschiedlichen Interessen und Sichtweisen zusammenzuführen. Das ist nicht immer einfach. Am Ende lohnt es sich aber für alle und ist ein großer Schritt nach vorne.

Gewerbegebiete und Umweltschutz: Das passt zusammen.

Ein Beispiel aus der Kommunalpolitik: In meiner Heimatstadt wird ein neues Gewerbegebiet auf einer Ackerfläche geplant, um neue Arbeitsplätze im Strukturwandel zu schaffen. Das Vorhaben ist aber umstritten, vor allem weil es aufgrund von engen Vorgaben der Landesplanung und der Bezirksregierung sehr nah an verschiedene Ortsteile heranrücken muss. Es bildet sich eine Bürgerinitiative und auch im Stadtrat wird die vorgesehene Fläche für das Gewerbegebiet kontrovers diskutiert. Als ein Argument gegen das neue Gewerbegebiet wird in der Debatte der Flächenverbrauch des wertvollen Lössbodens und eine großflächige Versiegelung des Bodens durch Gebäude und Straßen angeführt. Es wird also der klassische Konflikt zwischen Arbeit und Umwelt ins Feld geführt, sich entweder für Arbeitsplätze oder für die Natur zu entscheiden. Dabei geht beides! Ja, es wird Fläche verbraucht und es wird auch Fläche versiegelt. Das ist aber zu einfach gedacht. Das neue Gewerbegebiet ist ausdrücklich als ein grünes Gewerbegebiet geplant: Hecken aus einheimischen Gehölzen sind vorgesehen, die Bauten müssen in einer besonders ressourcenschonenden Bauweise errichtet werden, die Dächer mit Photovoltaik ausgestattet und die Fassaden teilweise begrünt werden.

Das Planverfahren für das neue Gewerbegebiet ist bald abgeschlossen. Ich bin mir sicher, dass am Ende die Vielfalt an Pflanzen und Tieren in diesem neuen grünen Gewerbegebiet größer sein wird als auf der vorher landwirtschaftlich intensiv genutzten Ackerfläche. Aus meiner Sicht ein gelungenes Beispiel dafür, wie Arbeit und Umwelt zusammenfinden werden.
Handwerker werden zu Klimaschützern Neue Maßstäbe wird die bereits erwähnte Ressourcenschutzsiedlung setzen, gerade was die Verwendung ressourcenschonender Baumaterialien anbetrifft. Bei der so genannten Faktor-X-Bauweise, nach der dort alle Gebäude und Häuser errichtet werden müssen, wird schon bei der Auswahl der Baumaterialien großer Wert daraufgelegt, dass diese
möglichst klimaschonend produziert worden sind und später wiederverwendet werden können. Ich bin froh, dass ich die Entwicklung dieses spannenden Baugebiets als Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung begleiten durfte. Auf meine Initiative hin wird auch der nächste städtische Kindergarten in einer solchen ressourcenschonenden Bauweise errichtet. Klar, die Baukosten werden durch die ressourcenschonende Bauweise nicht günstiger, aber wenn wir die Lebensdauer der Gebäude betrachten, lohnt sich dies auf jeden Fall. Wenn wir beim Klimaschutz weiterkommen wollen, muss sich auch im Bausektor vieles verändern. Handwerker werden dabei zu Klimaschützern.

Venlo als Vorbild für NRW

Vor einigen Jahren habe ich mit einer Delegation der Rhein-Erft-SPD einen Gewerbepark in Venlo in den Niederlanden besucht. Das besondere daran: Die Stadt Venlo unterstützt Unternehmen, die sich dem Nachhaltigkeits-Prinzip C2C verschrieben haben. C2C steht für „Cradle to Cradle“ und bedeutet „Von der Wiege zur Wiege“. Die Idee dahinter: Alle Produkte, die nach diesem Prinzip entwickelt werden, müssen entweder vollständig recycelt werden können oder kompostierbar sein. Im Idealfall gäbe es keinen Müll mehr, der verbrannt oder deponiert werden müsste. Eine
faszinierende Vorstellung. Aus meiner Sicht könnte darin sogar der Schlüssel für den nächsten Wachstumszyklus in der Volkswirtschaft, den nächsten so genannten „Kondratieff-Zyklus“ liegen.
Ganz konkret wurden in der Region Venlo das Rathaus, Schulen oder ein Sportkomplex nach dem C2C-Prinzip gebaut und das auch zum Thema im Unterricht an den Schulen gemacht. Aber es betrifft nicht nur Gebäude, sondern es werden ebenso Unternehmen dabei unterstützt, ihre Produkte nach diesen Nachhaltigkeitskriterien zu entwickeln. In Deutschland sind mir Bücher aufgefallen, die bereits nach dem C2C-Prinzip gedruckt worden sind. Bekannter ist bei vielen bestimmt das Beispiel kompostierbarer Kleidungsstücke.
Ich finde, wir können von unseren Nachbarinnen und Nachbarn lernen. NRW sollte sich das Engagement der Stadt Venlo zum Vorbild nehmen und alle Aktivitäten unterstützen, die eine solche Kreislaufwirtschaft nach den Prinzipien von C2C aufbauen. Viele neue Arbeitsplätze würden entstehen und unserer Umwelt mit uns Menschen als Teil davon käme es zu gute.