Klimaschutz und Energiewende: Die Menschen mitnehmen

Die Lichter am Weihnachtsbaum gehen aus. Stromausfall. Ausgerechnet am 1. Weihnachtstag 2021 fällt um die Mittagszeit bei uns der Strom aus. Im Kreis der Familie führt der Stromausfall natürlich zu einer Diskussion über die Energiewende, den geplanten Kohleausstieg und den Strukturwandel. Nach einer geschätzten halben Stunde ist der Strom wieder da.

Panik ist ein schlechter Ratgeber

Wir brauchen den Umstieg auf erneuerbare Energien. Da gibt es kein Wenn und Aber. Bereits in den 1990er Jahren hatte mich das Buch „Sonnen-Strategie“ von Hermann Scheer beeindruckt, der schon damals beschrieben hat, wie eine Energiewende aussehen könnte. Vieles davon ist in der Zwischenzeit Wirklichkeit geworden, vieles bleibt noch zu tun. Anders als Greta Thunberg, die zu verschiedenen Anlässen gesagt hat, dass wir angesichts des fortschreitenden Klimawandels in Panik verfallen sollten, bin ich anderer Meinung. Wir dürfen nicht in Panik verfallen, sondern müssen gut überlegen und gezielt handeln, wie wir den Klimawandel aufhalten und begrenzen können.

Versorgungssicherheit mit erneuerbaren Energien aus Elsdorf-Heppendorf

Dabei ist Versorgungssicherheit eine grundlegende Voraussetzung. Als Industrienation sind wir jederzeit auf eine sichere Stromversorgung angewiesen. Durch die schwankende Einspeisung aus Sonnenenergie und Windkraft wird es immer komplizierter, die Stabilität im Stromnetz aufrecht zu erhalten. Mitten im Rheinischen Revier, in Elsdorf-Heppendorf, hat sich ein kluges Unternehmen auf den Weg gemacht und Instrumente entwickelt, das Stromnetz zu digitalisieren und so zu steuern, dass die Energie aus den vielen dezentralen Photovoltaik-Anlagen und Windräder so verteilt wird, dass nirgends das Licht ausgeht oder Maschinen stillstehen. Aus meiner Sicht ein Schlüsselprojekt für eine erfolgreiche Energiewende. Fördermittel für das Projekt sind von dem Unternehmen bereits vor einiger Zeit bei der dafür zuständigen „Zukunftsagentur Rheinisches Revier“ beantragt worden. Wieder einmal: Das überaus bürokratische und komplizierte Antragsverfahren zieht sich. Als Landtagsabgeordneter werde ich mich bei einer neuen Landesregierung dafür stark machen, die Antragsverfahren für Fördermittel drastisch zu vereinfachen, damit wegweisende Projekte schneller an den Start kommen.

Alle Menschen bei der Energiewende mitnehmen

Die Energiewende braucht Zeit. Alle Menschen müssen mitgenommen werden. Wenn wegen explodierender Energiekosten Industriebetriebe abwandern und Arbeitsplätze verloren gehen oder hohe Heiz- und Stromkosten immer mehr Menschen vor große Probleme stellen, schwindet die Akzeptanz für die Energiewende. Zu Beginn des Jahres 2022 erleben wir, dass sich die Gaspreise auf einem Höchststand befinden. Viele Menschen werden in den nächsten Monaten tief in ihr Portmonee greifen müssen, um die Rechnung bezahlen zu können. Die Strom- oder Gasrechnung darf dabei aber nicht zu einer sozialen Frage werden. Die neue Bundesregierung hat das Problem erkannt und will die staatlichen Abgaben auf den Strompreis senken. Auch soll ein Klimageld eingeführt werden, um die steigenden Energiekosten abzufedern. Wie das genau aussehen soll, wird derzeit erarbeitet.
Die Akzeptanz der Menschen für die Energiewende zu erhalten und zu verbessern, sind für mich entscheidende Punkte. In Deutschland werden rund 2% der weltweiten Treibhausgase ausgestoßen. Wir allein können das Klima also nicht retten, sondern sind darauf angewiesen, dass andere Industriestaaten unserem Beispiel folgen und bereit sind, den Weg zu einer klimaneutralen Industriegesellschaft ebenfalls zu gehen. Wir müssen zeigen, dass eine Industriegesellschaft klimaneutral werden kann und dabei an Wohlstand gewinnt. Dann werden auch andere Industrieländer unserem Beispiel folgen.

Klimaneutral werden, ist erst der Anfang

Der Klimawandel ist schon längst da. Die Auswirkungen sehen und spüren wir jetzt schon. Möglicherweise wird es nicht ausreichen, die negativen Folgen der Erderwärmung nur dadurch einzudämmen, in den nächsten Jahren immer weniger Treibhausgase in die Atmosphäre freizusetzen. Wir sollten uns Gedanken machen, Treibhausgase auch wieder aus der Luft herauszufiltern. Das Ziel, klimaneutral zu werden, kann deshalb nur ein Anfang sein. Treibhausgase aus der Atmosphäre wieder herauszufiltern, ist technisch machbar. Hierfür werden aber große Mengen an Energie benötigt, natürlich aus erneuerbaren Quellen. Als Landtagsabgeordneter werde ich mich dafür einsetzen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen hierfür zu schaffen und entsprechende fortschrittliche Technologien zu fördern.

Niederaußem als Kraftwerksstandort erhalten

Wer kennt sie nicht? Die sympathische Geschichte von den Wolkenmachern im Kraftwerk Niederaußem. Meine Kinder und sicher ganz viele weitere Kinder haben sie bestimmt schon einmal erzählt bekommen, wenn man aus der Nähe oder aus der Ferne sieht, wie der weiße Wasserdampf aus den Kühltürmen steigt. Im Kraftwerk Niederaußem werden aber keine Wolken geformt, sondern Strom aus Braunkohle erzeugt.
Auch für die Energiewende brauchen wir viel Strom, sehr viel Strom. Allein für die Herstellung von grünem Wasserstoff für die Industrie werden riesige Mengen an Strom benötigt. Der nächstliegende Gedanke ist, dass Kraftwerk Niederaußem zu einem Gaskraftwerk umzubauen, dass später – wie von der neuen Bundesregierung vorgesehen – von fossilem Erdgas auf grünen Wasserstoff umsteigt. Dadurch könnte ein Teil der Infrastruktur am Kraftwerk weitergenutzt und Arbeitsplätze erhalten bleiben. Wenn der Bund die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen anpasst, wäre am Kraftwerksstandort Niederaußem auch ein modernes Wärmespeicherkraftwerk denkbar. Das Prinzip: Mit Strom aus erneuerbaren Energien wird ein spezielles Flüssigsalz in großen Tanks auf mehrere hundert Grad erhitzt. Mit Hilfe von Wärme und Hitze können Dampfturbinen angetrieben und Strom erzeugt werden. Der Vorteil: Auch hier können Teile des Kohlekraftwerks wie die Turbine und der Generator weiter genutzt und Energie aus Wind- und Sonnenkraft gespeichert werden.

Auch an anderen Stellen im Rhein-Erft-Kreis könnte Strom aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden: So könnte bei der künftig kommenden Befüllung des Tagebaus Hambach mit Rheinwasser ein Laufwasserkraftwerk zur Stromgewinnung beitragen. Interessant ist auch die Idee, Fahrrad- und Fußgängerwege mit Solarzellen zu pflastern. Aus meiner Sicht ein spannender Ansatz, bestehende Flächen, die oft versiegelt sind, doppelt zu nutzen und für die Stromgewinnung einzuspannen. Ich bin dafür, alle Möglichkeiten für eine erfolgreiche Energiewende zu prüfen und zu nutzen.